Drs. Catharina Harasko - van der Meer, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie bei Wr. Neustadt / Neunkirchen
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Ein Schlaganfall - was kann man machen?
 

 
Was heißt Schlaganfall eigentlich?
Ein Schlaganfall ist eine plötzlich auftretende Störung der Durchblutung im Gehirn. Es kann sich um eine Minderdurchblutung (Infarkt) oder um eine Blutung im Gehirn handeln.

Wie schaut ein Schlaganfall aus?
Es kann zu plötzlichen Lähmungen und Gefühlsstörungen ("Bamstigkeit") eines Körperteils oder einer Körperseite oder zu Sprachstörungen kommen. Aber auch manche Arten von Gleichgewichtsstörungen, Sehstörungen oder Schluckstörungen und plötzlichen Verwirrtheitzuständen können durch einen Schlaganfall verursacht werden. Manchmal nehmen die Beschwerden auch über einen Tagesteil langsam zu oder sie sind einmal schwerer, dann wieder leichter. Bei Blutungen kommt es zusätzlich häufig, aber nicht immer, zu Kopfschmerzen.

Was sollte man da machen?
Bei dem ersten Verdacht, es könnte sich um einen Schlaganfall handeln, sollte der Patient sofort ins Spital gebracht werden, im Idealfall mit dem Notarztwagen. Man sollte nicht den Fehler machen, zuerst mal abwarten zu wollen. Auch wenn es von selber rasch zu einer Besserung kommt, sollte man sich unverzüglich im Spital untersuchen lassen. Nur so kann eine zugrundeliegende Ursache rechtzeitig erkannt und behandelt werden, um Schlimmeres zu verhindern.

Was wird im Spital gemacht?
Zuerst wird der Patient untersucht und dann eine Aufnahme (Computertomographie) vom Gehirn gemacht. Bei manchen Patienten kann man bei einer Minderdurchblutung das Blut noch stark verdünnen um den Blutpropf, der das Gefäß im Gehirn verstopft, aufzulösen. Diese moderne Therapie ist jedoch wegen den damit verbundenen Risiken nur in wenigen Fällen möglich. Außerdem darf sie nur in den ersten 3 Stunden nach dem Beginn des Schlaganfalls durchgeführt werden. Deswegen ist keine Zeit zu verlieren. Weiters wird mit Infusionen und Regulierung u.a. des Kreislaufs (Blutdruck und Herzfunktion) versucht, den Schaden zu begrenzen und einer weiteren Verschlechterung vorzubeugen. Im Falle einer Blutung kann eine Operation notwendig sein.

Was sind die Ursachen?
Bei einem Infarkt kann es sich um eine Verengung der Gehirngefäße oder der Halsschlagadern durch Arteriosklerose ("Gefäßverkalkung") handeln. Auch kann ein Gerinnsel aus dem Herzen durch die Blutbahn ins Gehirn kommen und dort ein Gefäß verstopfen. Bei einer Blutung ist oft der hohe Blutdruck die Ursache. Bei manchen Leuten liegt der Blutung eine Gefäßmißbildung zugrunde. Eine Durchuntersuchung folgt auf jeden Fall.

Die weitere Behandlung richtet sich nach den gefundenen Ursachen. Zwei Ziele sind wichtig:

  1. einen nochmaligen Schlaganfall zu verhindern und
  2. das Leben mit der entstandenen Behinderung möglichst gut zu gestalten (Rehabilitation).

Bei Infarkten folgt eine Art der Blutverdünnung, meist mit niedrigdosiertem Aspirin; auch kann eine Operation der Halsschlagader notwendig sein. Bei Blutungen aus einer Gefäßerweiterung kann ein neurochirurgischer Eingriff indiziert sein.
Wichtig ist eine Kontrolle aller Risikofaktoren! Das bringt uns gleich zu den Möglichkeiten der Vorbeugung von Schlaganfällen: Prävention, Erkennen und Behandeln von Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und zu hohen Cholesterinwerten im Blut. Das bedeutet im Alltag eine gesunde Ernährung und Bewegung um Übergewicht zu vermeiden. Das Rauchen sollte unbedingt unterlassen werden. Das Aufhören mit dem Rauchen hat aber auch nach vielen Jahren noch einen Sinn, um das Schlaganfallrisiko zu verringern.
 

 
Rehabilitation nach dem Schlaganfall
 

 
Im ersten Teil standen die Früherkennung und Akutbehandlung des Schlaganfalls im Mittelpunkt. Außerdem ging es um das Erkennen von Risikofaktoren und die Vorbeugung von (weiteren) Schlaganfällen.

Wie kann der Neurologe nun dazu beitragen, dass eine Person nach einem Schlaganfall wieder möglichst selbständig in sein Leben zurückkehren kann?

Kein Schlaganfall ist einem anderen Schlaganfall in seiner Auswirkung ganz gleich und Menschen gehen mit den entstandenen Handicaps verschiedenartig um. Daher braucht es ein individuell maßgeschneidertes Programm für jeden. Mit Physiotherapie wird an der Bewegungsübung gearbeitet; Ergotherapie übt zusätzlich u.a. die Aktivitäten des täglichen Lebens und Logopädie ist notwendig bei Sprach- und Schluckstörungen. Eine enge Kooperation mit dem Neurologen ist wichtig, da in folgenden Bereichen oft medizinische Unterstützung notwendig ist:

  1. Spastikbehandlung. Im Laufe der Zeit nach dem Schlaganfall kann es zu einer krampfartig erhöhten Muskelspannung kommen, die nicht nur Schmerzhaft sein kann sondern auch die Funktion der Gliedmaßen deutlich beeinträchtigen kann. Die Spastik ist gut medikamentös, gelegentlich auch mit Spezialinjektionen behandelbar.
  2. Verordnung von Hilfsmitteln. Vom Rollstuhl bis zum Rollator bis zum Stock bis zur Schiene - für jede Phase nach dem Schlaganfall sollte im Laufe der Besserung das geeignete Hilfsmittel gewählt werden, so dass der Patient immer selbständiger werden kann.
  3. Stimmungsproblematik. Öfters kommt es durch einen Schlaganfall zu einer depressiven Verstimmung. Dies kann zu einer resignativen Haltung führen - der Patient kann sich nicht mehr aufraffen, zu üben um seine Situation zu verbessern. Eine solche Depression sollte unbedingt medikamentös behandelt werden.
  4. Verarbeitung. Das sich zurecht finden in einer neuen Lebenssituation geht mit einer erhöhten psychischen Belastung einher. Motivierende und klärende Gespräche, auch mit den Angehörigen des Schlaganfallpatienten, können viel helfen. Gerade wenn ein Mensch nach einem Schlaganfall in gewissem Maße auf Hilfe von anderen angewiesen ist, ändert sich nicht nur für ihn vieles im Beziehungsgeflecht. Auch bestehen bei Angehörigen oft Fragen, wie sie sich am besten verhalten sollten.
  5. Blasenstörungen. Hier ist oft medikamentöse Hilfe möglich.
  6. Störungen in der Aufmerksamkeit und Konzentration, Schlafstörungen, Merkfähigkeitsstörungen.

Viele Probleme aber auch kleinere Problemchen sollten besprechbar sein, denn es lassen sich gemeinsam Lösungen zur Verbesserung der Lebensqualität finden.
 

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